almancılar

another german text from my archieve:

Vatanda almancı, burada yabancı
bunları yaşamak inankı çok acı
bunları inkar eden yalancı
Karakan

Kirmızı spielt den Kartoffelrock, auf seiner Gitarre in der Odakule-Passage, etwas abseits der İstiklal, der Flaniermeile Beyoğlus. Dort haben sich einige Kuenstler, Strassenverkaeufer und Schnorrer eingefunden, um abends ihr Stueck vom Kuchen der Entertainmentindustrie abzufassen. Von ganz İstanbul und darueber hinaus kommen Menschen, um sich ın diesem Viertel zu vergnügen. Das Geschaeft laueft nicht schlecht, es ist Wochenende, ein paar Lira fuer den Abend und den naechsten Tag kommen zusammen.

Wenn von Deutschland die Rede ist, kommt bei Kirmızı Wut auf. Kirmızı ist dort geboren, aufgewachsen. In Osnabrueck hat er seine Kindheit verbracht, ist zur Schule gegangen. Dann ist seine Familie in die Türkei gezogen. Inzwischen hat er selbst Familie, eine Frau und einen Sohn, fünf Jahre alt. Für ihn will er das beste, will seine Werte, seine manchmal etwas romantischen Vorstellungen von Friedfertigkeit und İndividualitaet vermitteln.

Dorthin, wo er aufgewachsen ist, kann Kirmızı allenfalls als Tourist. Lange hatte er darauf geachtet, dass ihm die Aufenthaltsrechte in Deutschland erhalten bleiben, doch dann kam das Erdbeben, seine Familie brauchte Unterstuetzung und so konnte er nicht nach Deutschland, blieb laenger als sechs Monate und wird nun von den Auslaenderbehoerden so behandelt, als haette er nie dort gelebt. Es ist nicht so sehr der Traum vom Geldverdienen, der ihn wie so viele ins gelobte Land ziehen wuerde. Er glaubt dort ein Umfeld vorzufinden, das seiner Weltsicht naeher stuende.

Um das zu Verdeutlichen erzaehlt er eine Geschichte vom Kindergarten seines Sohnes. Er solte zum Nationalfeiertag in Armeeanzug kommen. Alle Kinder wuerden so kommen. Er wollte das nicht, das sei sicher auch nicht im Sinne Atatuerks, der doch den Frieden wollte. Schliesslich wurde der Kompromiss gefunden, graubraune hosen und t-shirt anzuziehen. Deutlich ziviler haette sein Sohn ausgesehen und in Mitte der kleinen Soldaten gestrahlt. Sein Kindergarten im Deutschland der 1970`er waere anders gewesen.

Er empfindet es als ungerecht, nicht in Deutschland leben leben zu duerfen, wo er doch mehr recht darauf habe, deutscher sei als andere. Die aus Russland, die gar kein Deutsch koennten oder die Integrationsunwilligen – da wuerde er auch manchmal die Rechten verstehen.

“Irgendjemand muss etwas tun”. Kirmızı denkt an die Alternativen, die Grünen. Er habe geschrieben, an einen Abgeordneten. Der habe gesagt, er könne nichts tun. Dass die Ökopartei seit Jahren die Politik der regelmaessigen Verschaerfungen des Auslaenderrechts mitgetragen hat, hat er nicht mitbekommen. Man muesse klagen. Man muesse allen von diesem Unrecht erzaehlen. Doch wissen die Menschen nicht von seiner Sıtuatıon, wollen sie ihn nicht etwa?

Seit den frühen 1980`ern, der “geistig moralischen Wend”, dem Antritt der Regierung Kohl, dem Vordringen rechter, stumpf rassistischer Parteien in Laenderparlamente und der rechtsterroristischen Wehrsportgruppe Hoffmann wurde die Forderung nach “Auslaenderrueckfuehrung” umgesetzt. Das alles waren nicht die einzigen Gruende, warum Menschen mit tuerkischem Passport sich entschieden, in der Turkei zu leben. Oft einfach eine Lebensplanung, die einen Ruhestand in der Tuerkei mit dem in Deutschland erarbeiteten kleinen Vermögen von vorneherein vorsah. Oder einfach die Neugierde, wie es sich denn in dem Land leben liesse, dass die Kinder der sogenannten zweiten Generation nur aus dem Urlaub kannten. Die deutsche Politik tat aber alles, um den Weg von Deutschland in die Tuerkei zur Einbahnstrasse werden zu lassen. Die Altersgrenze fuer den Familiennachzug wurde auf 16 Jahre begrenzt, auch wenn der Minderjaehrige schon in Deutschland gelebt hatte. “Rückkehrpraemien”, die in der Tuerkei zur Existenzgruendung ausreichen konnten, sollten diese Migration ankurbeln. Ja, es gab und gibt politısche Strömungen in Deutschland, die den “auslaendischen Mitbuergern” sahen, nicht nur den “Gastarbeiter” sahen, doch alles, was nach der Aera Kohl erreicht werden konnte, war eine Trennung der “Auslaender, die uns nutzen”, und denen, die man nicht in Deutschland haben wollte.

“Willst du wissen, warum ich im Knast sass”, fragt Mustafa. İch wıll es nicht, es ist nicht wichtig. Mustafa wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Verbuessung wurde er abgeschoben, ins Flugzeug gesezt und den tuerkischen Behoerden übergeben. Wer als Nichtdeutscher zu Freiheitstrafe ueber ein Jahr verurteilt wurde, wird in der Regel abgeschoben, muss “zurueck” dorthin, wo er vielleicht noch nie gelebt hat. “Wenn ich nach Deutschland will besorg ıch mır eınen falschen Pass.” Er haette das schon oefters gemacht, ginge eine Weile gut, dann wieder zurueck. Es bleibt unklar, was Raeuberpistole, was Realitaet ist. Er spielt den Mafiosi, dem nichts und niemand etwas anhaben kann, erzaehlt aber auch von den Schwierigkeiten. Er kann sich nicht sicher in den Codes bewegen, die sich hier in der Türkei von denen, die er in Deutschland gelebt hat, unterscheiden. Er koenne nicht einmal richtig Türkisch, kriegt er zu hoeren.
İstanbul bietet ihm Moeglichkeiten, mit seinen Deutschkenntnissen kann er auf dem Bazar arbeiten und an Touristen verkaufen, an die Deutschen, die ihn hier hergeschickt haben.
Mustafas Biografie eignet sich nicht für Kampagnen, die aufzeigen sollen, wie Menschen unverschuldet durch Schicksalsschlaege, rassistischer Gesetzgebung und behoerdlicher İgnoranz in eine missliche Lage gebracht werden. Er ist Prototyp des kriminellen Auslaenders, das von Stoıber und Bldzeitung seit Jahren immer wieder aufgewaermt wird. Desjenigen, der zwischen den Kulturen keinen Halt faende und deshalb abrutsche fuer die Aufgeklaerteren, die am Bild des guten Auslaenders festhalten muessen, um ihn als Teil deutscher Realitaet zu akzeptieren. Doch seine Biografie ist spezifisch deutsch, waere zum Beispiel in Frankreich oder England, in den meisten europaeischen Laendern nicht denkbar. Dort ist zumindest rechtlich Staats-, nicht Mitbürger, wer dort geboren ist. Migration wird als Noramlitaet gesehen, auch wenn sich die meisten den Franzosen als weiss und frankophon vorstellen. In Deutschland gilt jedoch derjenige als fremd, der nicht von Deutschen abstammt, die Biografie Mustafas als fremde, der man sich entledigen kann

Es gibt natuerlich auch andere Geschıchten von Menschen, die sich in der Metropole İstanbul genauso gut zurechtfinden, wie in der Grosstadt Berlin. Die es schaffen, die hier wie dort akzeptıert werden, mal hier mal dort leben, hier wie dort wirtschaftlich erfolgreich sind und so Visaprobleme nur bürokratischer Aufwand, kein echtes Hindernıs darstellen. Und es gibt die klassischen Biografien derer, die wie geplant nach einigen Jahren und Jahrzehnten Arbeitsleben in Deutschland in die Tuerkei zurueckkehren, mit einem kleinen Vermoegen und ohne Wehmut.
Die Lebenswirklichkeiten sind vielfaeltiger als das Repartoir von Klischees und Vorbehalten, die die in der Tütkei denen, die “zurueckkommen”, entgegegengehalten werden. In den 1970`ern erschienen Filme, die den Almancı zeigen, wie er protzt, zur Schau stellt, dass er es zu etwas gebracht hat, zu einem dicken Auto und Goldschmuck. Aus dem Dorf kommend ueber Deutschland aufgestiegen in eine staedtische Mittelschicht. Dieses Bild ist nun aber eine ganze Generation alt. Es wird langsam abgeloest von dem dessen, der gescheıtert ist, den Versuchungen des Westens verfallen. Der ein Problem haben muss, dort wo er aufgewachsen ist, sonst wuerde er doch Europa nicht mehr verlassen. Diesem Bild sehen sich heute vor allem Jüngere konfrontiert. So kommt es, dass diese auch in der Tuerkei ihre eigene communıty bilden, in manchen Runden zwischen den Sprachen Deutsch Tuerkisch und manchmal auch Englisch innerhalb eines Satzes gewechselt wird.

Oft wurde ueber die innere Zerissenheit der Kinder der zweiten und dritten Einwanderergeneration schwadroniert, zwischen den Kulturen keinen Halt findend. Das ist nicht das Problem, es geht nicht um Entwurzelung. Das Problem ist ein anderes. Diese Menschen können oft den starken gesellschaftlichen Zuschreibungen nicht entfliehen, weder in Deutschland, noch in der Tuerkei.

1 Comment »

  1. MERHABA GURBETI iCiN DE BiR BICAK YARASI KiBi HiSSEDEN VATAN HASRETi CEKEN muslüman kardeslerim ve TÜRK DOSTLARIM DüNYADA NE KOLAY Ki HERSEYiN BiR ZORLUGU VARDIR DÜNYANIN YÜKÜ AGIRDIR BAZEN YüRüYEMEZ HALE GETiRiR insan oglu lokma yerken bile yorulur mus sabir herseyin hayirlisidir bu arada biliyormusunuz orada ka sabah kavaltinin yerini hic bir sey tutamaz bir araba bile tbr ederim emek veren kardesim KAHVALTI ICIN TSK LER

    Comment by HEY_KEL_BERBER — Thu Jul 17 08 @ 6:55 pm

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